Jun 6

„It never rains in southern California!“ – Dieser weltbekannte Satz wird tagtäglich etliche male wiederholt. Dabei ist bei jedem eine gewisse Ironie in der Stimme wahrzunehmen. Bei der Vorbereitung für unseren viermonatigen Aufenthalt in den USA und Kanada hatten wir Bilder von blauem Himmel und stechender Sonne im Hinterkopf. Freunde die in den letzten Jahren bereits zum paddeln in Kalifornien waren, erzählen von einem einzigen Regentag pro Monat und drückend heißen Temperaturen. Bei uns scheint jedoch vieles anders zu kommen. Seit etwas mehr als zwei Wochen regnet es täglich. An manchen Tagen lässt sich die Sonne kurz blicken, an vielen jedoch überhaupt nicht – und dabei haben die Bäche ohnehin aufgrund der enormen Schneemengen in den Bergen großteils zu viel Wasser.

Angekommen am 20. Mai in San Francisco stehen wir zu sechst mit einem fünfsitzer Mietwagen vor dem San Francisco International Airport. Sechs Boote haben wir schon erfolgreich geladen. Nur sechs Leute mit Gepäck in ein Auto? Keine Chance. Da Matti und ich ohnehin ein Auto kaufen wollen, diskutieren wir, wie wir im ersten Schritt vom Flughafen weg kommen. Kalti und Chris kehren daraufhin nochmals zur Autovermietung zurück mit dem Plan einen Kleinwagen für drei Tage zu mieten, bis wir ein Auto gefunden und gekauft haben. Nach etwa 30min rollt ein übergroßer Pickup auf uns zu. Chris sitzt mit einem überdimensionalen Grinsen am Steuer und meinte „Alter, wir wollten einen Kleinwagen, das ist die einzige Karre die noch zur Verfügung stand!!“ Leider war der Mietpreis ähnlich groß wie das Auto selbst. Nach einem kurzen Ausflug zum Strand der „Half Moon Bay“ machen Matti und ich uns bereits auf den Weg ein Auto zu finden. Ein Händler, bei dem wir nicht fündig werden, schickt uns nach Santa Cruz. Hier soll es einen Haufen Autohändler geben. Da wir auf Anhieb nichts finden bleibt uns spät am Abend nichts anderes übrig als an einer Tankstelle nach Adressen zu fragen. Der Kassier reagiert sehr aufgeschlossen und ruft sofort seinen Schwager an, der angeblich ein Fahrzeug zu verkaufen hat. Dieser müsse aber noch bis 21h arbeiten. Nach kurzer Absprache treffen wir uns wenig später mit dem genannten Verkäufer und fahre zu ihm nach Hause. Dort steht das perfekte Auto für uns: ein 1996er Chevrolet Suburban. Ein Geländewagen mit Dachträger, viel Platz und neun Sitzplätzen. Nach genauer Inspektion, absolvierter Testfahrt und etwas handeln besiegeln wir das Ganze per Handschlag um halb zwei in der Nacht. Ein Treffen für die Übergabe war für den nächsten Mittag ausgemacht, da das Fahrzeug noch auf unsere Namen umgeschrieben werden muss. Glücklich fahre wir wieder zurück zum Camp um die Anderen zu treffen. Da der Campingplatz jedoch schon geschlossen hat, verbringen wir die Nacht im Auto. Da die Zulassungsstelle (Departement of Motorvehicles – kurz DMV) am Folgetag jedoch geschlossen hat, verschieben wir unser Treffen auf den folgenden Montag um 7:45 morgens. Die zwei weiteren Tage verbringen wir am Camp mit Sicherheitsübungen und etwas Planung für die kommenden Tage.

Auf dem Weg zurück zum DMV nach Santa Cruz und einem kurzen Anruf beim Verkäufer, gibt dieser uns zu verstehen, dass er bis Freitag in Los Angeles sei und uns das Auto daher nicht verkaufen könne. Verärgert laufen wir von Händler zu Händler um eine Alternative zu suchen. Schlussendlich werden wir bei einem weiteren Händler fündig. Ein deutlich kleineres Auto dürfen wir daraufhin am Abend unser Eigen nennen. Einen Nissan Pathfinder von 1998.

Am folgenden Morgen starten wir früh Richtung San Francisco. Nach etwas Sightseeing geht es weiter nach San Carlos um ein paar Einkäufe zu tätigen und anschließend Timos Boot bei einem Händler in Oakland abzuholen.

Nachdem wir Timo am Abend am Flughafen abgeholt haben, satteln wir die Autos und machen und auf Richtung Osten  zum South Silver of the South Fork American River. Nach einer klaren Nacht fängt am frühen morgen das scouten an. Passt der Wasserstand? Ist das der richtige Bach zum einpaddeln? An der Kernstelle mit dem Namen „Skyscraper“ waren wir uns einig, dass der Wasserstand doch etwas hoch ist und wir lieber mit einem anderen Bach starten. Vor uns steht eine gigantische Kombination aus Abfällen von bis zu 4 Meter sowie massive Grundgesteinsrutschen mit nur sehr kurzen Pools dazwischen. Dass unsere Entscheidung gegen die Befahrung richtig war, wurde uns später von einem Local bestätigt, der ebenfalls meinte dass dieser Fluss zu viel Wasser führe.

Die folgenden drei Tage halten wir uns am South Fork of the American auf, wo wir verschiedene Abschnitte mit traumhaftem Wildwasser im vierten und fünften Grad paddelten. Nachdem sich alle wieder ans Boot gewöhnt haben, starten wir weiter nach Norden zum Yuba River, wo wir fantastisches Wildwasser bei Kaiserwetter vorfinden.6,5 Meilen traumhaftes Wuchtwasser im fünften Grad mit einigen Abfällen und exzellenten Katerakten. Am Ausstieg treffen wir auf eine Gruppe von Amerikanern und Neuseeländern, die uns einen kleinen Einblick geben, welche Bäche aktuell laufen und welche noch zu viel Wasser haben. Anschließend bietet uns Charlie Center, der die Bäche wie seine Westentasche kennt, an, uns den Ein- und Ausstieg des South Branch oft he Middle Fork oft he Feather River zu zeigen. Allesamt freuen sich als als wäre es Weihnachten.

Der South Branch ist wohl einer der Flüsse, den jeder Kalifornienpaddler gefahren sein muss. Nach drei Autostunden durch die Dunkelheit finden wir uns an einer Brücke über einen kleinen Bach wieder. Charlie erklärt uns, dass das der Einstieg sei.

 

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